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Ein aktuelles Thema beim Nachrichten-Netzwerk Twitter beschäftigt sich mit dem Thema Depressionen.frau guckt traurig

Unter dem Hashtag #NotJustSad (deutsch: Nicht einfach nur traurig) berichten depressive Menschen in kurzen Nachrichten über ihren Alltag und ihre Gefühle.
Dies vor allem mit dem Ziel, Gesunden ein besseres Verständnis dafür zu vermitteln, wie sich Depressionen für die Betroffenen anfühlen. Denn: Wer noch nie unter einer Depression gelitten hat, kann sich einfach nicht vorstellen, wie sich die Betroffenen dabei fühlen. Oftmals wird angenommen, dass depressive Menschen einfach nur traurig ("just sad") sind. Dass das nicht zutrifft und Depressionen viel mehr sind als einfache Traurigkeit, twittern täglich viele Teilnehmer auf oftmals sehr anschauliche und beeindruckende Weise. Die Beiträge auf Twitter zu lesen, lohnt sich für alle, die mit depressiven Menschen privat oder beruflich zu tun haben. Aber auch für Betroffene selbst können die Tweets unter Umständen hilfreich sein. Denn viele Betroffene fühlen sich mit ihrem Leiden allein. Zu erfahren, dass es weltweit sehr viele Menschen gibt, die ebenfalls unter Depressionen leiden und deren Gedanken zu teilen, kann manchmal tröstlich sein.

#NotJustSad bei Twitter ...

Interessanter Artikel und Video zu diesem Thema auf heute.de ...

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Im Zusammenhang mit Absturz der Germanwings-Maschine taucht der Begriff "Erweiterter Suizid" in vielen Meldungen auf. Aber was ist das überhaupt, und trifft die Bezeichnung auf das Verhalten des Piloten des Airbus überhaupt zu?

Ein wichtiger Hinweis vorweg:mann haelt flugzeug in hand

Erweiterte Suizide kommen nur sehr selten vor. Und kaum ein depressiver Mensch käme je auf den Gedanken, anderen Menschen zu schaden, wenn er möglicherweise darüber nachdenkt, seinem eigenen Leben ein Ende zu setzen. In Fällen wie dem des Copiloten des Flugzeugs spielen sicher auch noch andere Probleme und Störungen eine Rolle. In der aktuellen Berichterstattung in den Medien schwingt leider immer die Gefahr mit, dass Menschen mit Depressionen nun stigmatisiert werden könnten. Das wäre aber eine absolut falsche Konsequenz aus dem Unglück. Die Ursachen für solche Extremtaten liegen genau wie zum Beispiel die für Amokläufe in der ganz individuellen Persönlichkeit der Täter und nicht etwa in der depressiven Erkrankung selbst begründet. Niemand muss also Angst haben, von einem Menschen mit in den Tod gerissen zu werden, der "nur" unter Depressionen leidet. Gefühle von Wertlosigkeit und Verzweiflung richten sich bei depressiven Menschen fast immer gegen sich selbst und so gut wie nie gegen andere. Hass oder Wut auf andere Menschen sind KEIN Zeichen einer Depression, sondern deuten auf ganz andere Störungen oder Erkrankungen hin!

Erweiterter Suizid: Definition

Man spricht von einem erweiterten Suizid immer dann, wenn ein Mensch mit der Absicht, sich selbst zu töten, auch noch andere Menschen tötet, die nicht sterben wollen. Begehen also zwei oder mehrere Menschen einvernehmlich einen gemeinsamen Suizid, spricht man nicht von einem erweiterten Suizid.

In fast allen Fällen handelt es sich bei den weiteren Opfern um Lebenspartner oder Familienmitglieder. Darunter oft Kinder. Insbesondere in letzterem Fall liegt wohl oft der Wunsch zugrunde, diese (die Kinder) nicht allein zurückzulassen. Noch viel seltener als ein erweiterter Suizid mit Familienmitgliedern sind Suizide, bei denen wahllos fremde Menschen mit in den Tod gerissen werden. So kann man in manchen Fällen von Amokläufen davon ausgehen, dass das Ziel des Täters (auch oder vor allem) darin lag, selbst zu Tode zu kommen.

Die moralische Bewertung einer solchen Tat ist schwierig. Die amerikanischen Raum verwendeten Bezeichungen wie "homocide-suicide" und "murder-suicide" legen die Betrachtung nahe, dass es sich dabei um Mord handelt, auch wenn der "Mörder" selbst den Tod sucht. Ob es sich in dem vorliegenden Fall des Germanwingspiloten überhaupt um einen Fall von erweitertem Suizid handelt, kann man zur Zeit nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise wird das Motiv des Piloten auch für immer im Dunklen bleiben.

Hier finden Sie Hilfe, wenn Sie selbst, ein Familienmitglied oder ein(e) Freund(in) in eine Sitation geraten, in der der Gedanke an Suizid aufkommt: Hilfe in Notfällen ...

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Es gibt in Bezug auf Depressionen einige weitverbreitete Ansichten und Vorurteile, die nicht zutreffend sind. Hier finden Sie die wichtigsten Irrtümer und Missverständnisse. schild wrong way web

Irrtum 1: Depressionen sind keine echte medizinische Krankheit

Bei einer Depression handelt es sich nicht um eine vorübergehende Verstimmung, schlechte Laune oder Traurigkeit, weil man etwas Belastendes erlebt hat. Solche „leichten“ oder nur kurz andauernden Stimmungsverschlechterungen bezeichnet man bestenfalls als „depressive Verstimmung“, nicht aber als Depression. Eine echte Depression geht tiefer und dauert viel länger. Sie ist eine ernsthafte medizinisch anerkannte und medizinisch behandelte Krankheit, die in manchen Fällen zum Tod führt (Suizid). An einer Depression kann - genau wie an einer Grippe - buchstäblich jeder erkranken.

Irrtum 2: Antidepressiva reichen aus, um eine Depression zu heilen

Antidepressiva können die schlimmsten Symptome einer Depression lindern und die Betroffenen so wieder in die Lage versetzen, am Leben teilzunehmen. Auch eine aktive Auseinandersetzung mit der Erkrankung wird oft erst nach einer Behandlung der Symptome möglich. Die Behandlung mit Antidepressiva bildet also die Grundlage, auf der es erst möglich wird, die Erkrankung mithilfe von Psychotherapie und Psychoedukation zu behandeln. Antidepressiva allein führen in der Regel nicht zu einer vollständigen und dauerhaften Heilung.

Irrtum 3: Die Betroffenen müssten sich nur mal „zusammenreißen“

Eine Depression hat nichts damit zu tun, dass sich jemand gehen lässt oder sich nicht ausreichend bemüht, aus einer schlechten Stimmung herauszukommen. Wer das noch nicht selbst erlebt hat, kann es sich nur schwer vorstellen. Einem depressiven Menschen zu sagen, er solle sich zusammenreißen oder doch mal „positiv denken“ ist so, als wenn man einem Menschen mit hohem Fieber sagen würde, er solle doch mal cool bleiben und so sein Fieber senken. Wer unter Depressionen leidet,kannsich nicht zusammenreißen undkannauch nicht positiv denken, selbst, wenn er es noch sehr möchte. Das ist schlicht unmöglich.

Irrtum 4: Nur psychisch labile Menschen erkranken an Depressionen

Wie schon gesagt, eine Depression kann jeden treffen. Ganz gleich, ob Lehrer, Arzt, Fußballer oder Stahlarbeiter: Selbst die „stärksten“ Männer sind davor nicht sicher. Nicht selten kommt es vor, dass die Betroffenen es selbst gar nicht fassen können, eine Depression zu erleiden. Auch wenn es Risikofaktoren und bei manchen Menschen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, an einer Depression zu erkranken, letztlich kann sie jeden erwischen.

Irrtum 5: Die Ursache für eine Depression ist immer ein trauriges Ereignis

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Eine Depression ist viel mehr als eine einfache Reaktion auf ein bedrückendes Ereignis. Manchmal können so ein Ereignis oder auch lang andauernde Belastungen ein Auslöser für eine Depression sein. Nicht selten gibt es aber auch gar keine offensichtlichen Auslöser. Die Depression kommt dann „aus heiterem Himmel“, obwohl im Leben scheinbar alles gut läuft.

Irrtum 6: Depressive Menschen weinen häufig

Häufiges Weinen kann ein Symptom einer Depression sein. Manche Erkrankte aber weinen nur sehr selten oder sogar gar nicht. Nicht wenige beklagen eine emotionale Leere, die selbst Gefühle von Traurigkeit ausschließt. Auch Betroffene, die unter einer lang andauernden „schleichenden“ Form der Depression, der Dysthymia, leiden, zeigen nach außen oft keine oder kaum erkennbare Symptome. Viele präsentieren sich nach außen ganz anders, als sie sich innerlich fühlen.

Irrtum 7: Eine Depression vererbt sich immer auf Kinder und Enkelkinder

Es scheint so zu sein, dass das Risiko an einer Depression zu erkranken erhöht ist, wenn die eigenen Eltern oder Großeltern auch schon unter Depressionen litten. Allerdings bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Nachkommen auch an einer Depression erkranken. Menschen mit familiärer Vorbelastung sollten aufmerksam sein, müssen aber nicht zwangsläufig ebenfalls erkranken.

Irrtum 8: Antidepressiva machen abhängig

Die typischen Merkmale einer Sucht, nämlich Toleranzentwicklung und das Bedürfnis, höhere Dosen einzunehmen, treten bei Antidepressivanicht auf. Grundsätzlich wirken Antidepressiva ganz anders als suchterzeugende Medikamente wie zum Beispiel Beruhigungsmittel (Valium® und Co.). Trotzdem können auch bei Antidepressiva Absetzerscheinungen auftreten, weshalb ein Antidepressivum immer unter Anleitung des Arztes langsam „ausgeschlichen“ werden sollte.

Irrtum 9: Antidepressiva verändern die Persönlichkeit

Das ist nachweislich falsch. Antidepressiva normalisieren den Hirnstoffwechsel. Die Betroffenen fühlen sich nach dem Wirkungseintritt nicht etwa verändert. Tatsächlich beschreiben die meisten die Wirkung so, dass sie sich (oft nach langem Leiden) endlich wieder wie sie selbst fühlen können.

Irrtum 10: Antidepressiva machen gute Laune

Die Vermutung liegt nahe, trifft aber so nicht zu. Tatsächlich verbessern Antidepressiva die Stimmung depressiver Patienten bis zu einem gewissen „normalen“ Niveau. Ein gesunder Mensch kann mithilfe von Antidepressiva seine Stimmung aber nicht verbessern. Wäre das anders, gäbe es schon längst einen florierenden Schwarzmarkt, wie auch für alle anderen stimmungsverbessernden Drogen. Nimmt ein Gesunder ein Antidepressivum erlebt er in der Regel nur die unangenehmen Nebenwirkungen, nicht aber eine Stimmungsverbesserung.

Irrtum 11: Antidepressiva muss man für den Rest des Lebens einnehmen

Auch das ist falsch. In vielen Fällen kann das Antidepressivum nach erfolgreicher Therapie (oft in Verbindung mit einer Psychotherapie) vollständig abgesetzt werden. In manchen Fällen wird allerdings empfohlen, das Antidepressivum auch danach als Rückfallprophylaxe noch länger einzunehmen.

Irrtum 12: Männer haben selten Depressionen

Die meisten Forscher und Mediziner gehen davon aus, dass Männer genauso häufig von Depressionen betroffen sind wie Frauen. Die zum Teil widersprüchlichen statistischen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass Frauen häufiger und früher ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen als Männer. Bei Männern, die sich psychische Schwächen nur ungern eingestehen, werden Erkrankungen deshalb häufiger nicht diagnostisch erfasst. Männer reagieren öfter mit Aggression und Alkohol- oder Drogenmissbrauch auf ihre depressive Stimmung.

Irrtum 13: Über die Depression zu sprechen, macht es nur schlimmer

Depressive Menschen brauchen jede Form von Unterstützung aus der Familie und dem sozialen Umfeld. Über die Depression sprechen zu können, ist für viele Patienten eine Erleichterung und hilft dem Umfeld dabei, den Betroffenen besser zu verstehen. Es ist immer besser, mit dem Betroffenen über seine Depression zu sprechen, als ihn mit seinen Sorgen und Ängsten allein zu lassen!

Irrtum 14: Wer über Suizid spricht, führt ihn nicht aus

Die ist sicher einer der gefährlichsten Irrtümer über Depressionen. Tatsächlich führen sehr viele Betroffene, die einen Suizid ankündigen oder darüber sprechen, diesen später auch aus. Wenn ein depressiver Mensch über eine Selbsttötung spricht, muss man dies immer sehr ernst nehmen und Hilfe suchen.

 

 

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Neueste Kommentare

  • Gast - Fengor-AD

    Gute Beschreibung, hab selbst schon einige der beschriebenen Reaktionen erleben "dürfen". Manche falsche Ansichten über Depressionen sind tatsächlich weit verbreitet. Wenn man Glück hat, kann man zumindest die Menschen in der engsten Umgebung davon abbringen. Manchmal muss man aber auch aufgeben. Ma...
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Offene und geschlossene Kliniken bzw. Abteilungen

Ein depressiver Patient, bei dem keine Suizidgefahr oder Wahnvorstellungen bestehen, wird in einer „offenen“ Klinik oder in einer offenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht. Das heißt, der Patient kann die Einrichtung jederzeit verlassen. Es gibt keine verschlossenen Türen oder Ähnliches. Trotzdem gibt es natürlich Regeln, an die sich die Patienten halten sollten. So wird etwa die Anwesenheit bei den Mahlzeiten und natürlich die Teilnahme an den Therapieangeboten vorausgesetzt. Darüber hinaus kann der Patient die Klinik zum Beispiel zum Einkaufen oder zum Sport verlassen. Manchmal gibt es auch offiziellen „Ausgang“, allein oder in der Gruppe. Niemand, der keine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt, wird eingesperrt oder gegen seinen Willen festgehalten! Es gibt unterschiedliche Regelungen, was die Möglichkeiten betrifft, am Wochenende nach Hause zu fahren oder Besuch zu erhalten. In vielen Kliniken wird beides in den ersten zwei bis drei Wochen des Aufenthaltes nicht gerne gesehen.

 


Ankunft in der Klinik

Sobald man in der Klinik angekommen ist, meldet man sich an. Dazu gehört in der Regel, dass man die Verordnung des Arztes und die Nachweise der eigenen Krankenversicherung (z. B. Versichertenkarte) vorzeigt oder abgibt. Anschließend wird man von einem Krankenpfleger herumgeführt, der einem zeigt, wo sich welche Räume befinden (z. B. Speiseraum, Therapieräume, Schwimmbad etc.). In manchen Kliniken gibt es eine spezielle Bezugspflegeperson für jeden Patienten. Dieser Krankenpfleger oder diese Krankenpflegerin steht dann immer für Fragen zur Verfügung. An dieser Stelle können auch offene Fragen oder Probleme geklärt werden. Auch ganz Praktische, wie die Versorgung von Kindern oder Haustieren, oder Probleme mit der Arbeitsstelle. Manchmal gibt es auch einen bestimmten Mitpatienten als Ansprechpartner, der sich betreuend um (neue) Patienten kümmert. Schließlich wird man in sein Zimmer geführt, wo man schon einmal damit beginnen kann, auszupacken und seine Sachen zu verstauen.

Kurze körperliche und neurologische Untersuchung

Hierbei handelt es sich um einen Routinecheck, bei dem festgestellt wird, ob der Patient körperlich gesund ist, oder ob er irgendwelche neurologische Auffälligkeiten zeigt. Zur Untersuchung gehören das Messen von Größe und Gewicht und einfache Laboruntersuchungen (Blutuntersuchung, Urin). Auch die bisherige Einnahme von Medikamenten wird hier geklärt. Es ist wichtig, hierbei korrekte Angaben zu machen, damit die entsprechende Medikation weiter geführt oder verändert werden kann. Die Angaben sind auch wichtig, um mögliche Wechselwirkungen mit neu verschriebenen Medikamenten auszuschließen. Wenn man mehrere unterschiedliche Medikamente einnimmt, ist es sinnvoll, schon vorher eine schriftliche Liste anzufertigen und diese mitzubringen.

Aufnahmegespräch mit Arzt und/oder Therapeuten

Hier schildert der Patient dem Arzt/Therapeuten seinen Zustand und sein Erleben. Es wird über eventuelle frühere Behandlungen oder Behandlungsversuche gesprochen und der Patient wird gefragt, welche Vorstellungen und Ziele er hinsichtlich seines Aufenthaltes hat. Der Patient kann hier auch Wünsche bezüglich der Behandlung äußern.

Der Arzt erstellt einen „psychopathologischen Befund“, in dem grundlegende Fragen wie Orientierung, Konzentrationsfähigkeit des Patienten geklärt werden. Auch das Vorhandensein von Ängsten, Zwangsgedanken oder gar Suizidgedanken wird hier abgeklärt. Ebenso Symptome wie Schlafstörungen, Essstörungen oder sexuelle Probleme. Eine ausführlichere Diagnose wird in der Regel erst zu einem späteren Zeitpunkt erstellt, wenn der Arzt den Patienten bereits besser kennt.

Gemeinsame Mahlzeiten

Die Mahlzeiten werden in der Regel gemeinsam mit den anderen Patienten eingenommen. Es wird erwartet, dass man an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnimmt. Manchmal bekommt man einen bestimmten Platz zugewiesen, in anderen Kliniken kann man diesen selbst wählen.

Der Tagesablauf

Struktur:

Für depressive Patienten, aber auch für solche mit anderen psychischen Störungen, ist ein strukturierter Tagesablauf wichtig und hilfreich. Dementsprechend „durchorganisiert“ ist der Tagesablauf in der Regel.

Ausschlafen fällt aus

Ausschlafen gibt es im Normalfall nicht. Ganz im Gegenteil: Die ersten morgendlichen Aktivitäten wie Frühstück oder Frühsport beginnen meist schon um 7:00 Uhr oder sogar noch früher. Nach dem Frühstück erfolgt oft eine Besprechung des Tagesablaufs.

Vormittag

In der Regel finden vormittags bereits die ersten Therapien statt. Das können Einzel- oder auch Gruppentherapiesitzungen sein. Je nach Tagesplan gibt es auch Angebote für sportliche oder kreative Aktivitäten.

Beispiel:

    • 7.00 Uhr Walkinggruppe
    • 8.00 Frühstück,
    • 9.00 Uhr Gruppentherapie
    • 11.00 Visite

Mittagessen

Auch das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen. Anwesenheit ist in der Regel Pflicht.

Nachmittag

Am Nachmittag finden weitere Therapiesitzungen und Aktivitäten statt. Je nach Tagesplan sind hier auch freie Aktivitäten möglich (Einkaufen, Spazierengehen, Sport)

Abend

Gemeinsames Abendessen mit Anwesenheitspflicht. Freizeit, Kontakt zu Mitpatienten in Aufenthaltsräumen oder im Fernsehzimmer.

Nachtruhe

Der Abend endet meist um 22:00 Uhr. Die Patienten gehen dann auf ihre Zimmer.


Therapiepläne und Aktivitäten

Neben der eigentlichen Psychotherapie (Einzel- oder Gruppentherapie) gibt es weitere Therapieformen und andere Angebote für Aktivitäten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Sportangebote (Walking, Jogging, Schwimmen, Gymnastik)
  • Entspannungstraining (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation)
  • Informationsveranstaltungen (Medizinische Aufklärung, Psychoedukation, Prophylaxe)
  • Ergotherapie (Malen, Basteln, Töpfern, Stricken etc.)

Es gibt Pflichtveranstaltungen, an denen der Patient teilnehmen muss und solche, die freiwillig besucht werden können. Je nach Klinik bzw. Krankenversicherung muss der Patient die Teilnahme an den Pflichtveranstaltungen mit seiner Unterschrift quittieren.

Wochenende

Am Wochenende finden meist keine Veranstaltungen und keine Therapie statt. Bestimmte Aktivitäten (z. B. Schwimmbad) stehen aber auch dann zur Verfügung. Patienten, die bereits zwei oder drei Wochen in der Klinik sind, und sich dem gewachsen fühlen, können am Wochenende unter Umständen auch nach Hause fahren.

Die Entlassung

In der Regel entscheidet der behandelnde Arzt, wann es Zeit für die Entlassung wird. Anders als man es sich vielleicht vorstellt, sind viele Patienten gar nicht daran interessiert, möglichst früh entlassen zu werden. Nicht selten wird die Aufenthaltsdauer auch durch die Krankenkasse bzw. Krankenversicherung des Patienten begrenzt. Der Patient, bzw. die Klinik, kann einen Antrag auf Verlängerung stellen, wenn dies medizinisch sinnvoll erscheint.

Belastungserprobung

Oft findet eine sogenannte Belastungserprobung statt. Das bedeutet, dass der Patient zunächst probehalber für ein Wochenende nach Hause geschickt wird. Kommt er damit gut zurecht, steht der Entlassung nichts mehr im Wege.

Ambulante Weiterbehandlung / Wiedereingliederung

Im Normalfall wird ein Patient nicht einfach entlassen, ohne dass die ambulante Weiterbehandlung geklärt ist. Diese findet wie bereits vor dem Aufenthalt durch den eigenen Arzt oder Therapeuten statt. In manchen Fällen findet im Anschluss an den Klinikaufenthalt auch eine schrittweise berufliche Wiedereingliederung statt. Diese kann zum Beispiel so aussehen, dass der Patient zunächst nur für wenige Stunden am Tag seiner alten Arbeit nachgeht. Das Arbeitspensum wird dann Schritt für Schritt erhöht.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch Depressionen: - erkennen - verstehen - überwindenhttp://ir-de.amazon-adsystem.com/e/ir?t=httpwwwzebrab-21&l=as2&o=3&a=3864270464 von Alexander Stern.
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Kommentar (4) Aufrufe: 4702

Neueste Kommentare

  • Gast - Der Friese

    Yep, so (oder so ähnlich) läuft es in der Realität ab. Guter Artikel, der zutreffend beschreibt, was einen in der Psychiatrie erwartet. Allerdings betrifft die Beschreibung vor allem diejenigen, die NICHT in der geschlossenen Abteilung untergebracht werden. Dort sind die Abläufe dann doch noch etwas...
  • Gast - Ulf78

    Danke für die Beschreibung. Hätte ich das VOR meinem Aufenthalt in der Klinik gelesen, hätte ich mich bestimmt besser gefühlt. Die Beschreibung entspricht im Wesentlichen dem, was ich auch erlebt habe. Manche Dinge wurden bei uns auch etwas anders geregelt, aber im Prinzip war es so wie hier beschri...
  • Gast - Chiara

    Top! Toller Artikel.
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Die nachfolgenden Tipps sind für Patienten mit leichten Depressionen gedacht oder für solche, die eine Depression überwunden haben. Falls Sie aktuell an einer schweren Depression leiden, werden Sie die Tipps wahrscheinlich nur schwer umsetzen können. Sie werden beim Lesen der Tipps vielleicht denken, dass das alles sinnlos ist oder sowieso nicht funktioniert. Ärgern Sie frau entspannt websich nicht darüber, diese Gedanken sind eine Folge der Depression. Es ist nicht Ihre Schuld, wenn Sie mit den Tipps aktuell nichts anfangen können. Ich verspreche Ihnen, Sie werden das anders sehen, wenn sich Ihr Zustand bessert.

Tipp 1: Gut für sich selbst sorgen

Manche Menschen setzen alle Hebel in Bewegung, wenn es darum geht, etwas für andere zu tun. Nur ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen sie so lange, bis es nicht mehr weiter geht. Dabei ist es für jeden Menschen ausgesprochen wichtig, zunächst einmal gut für sich selbst zu sorgen. Das trifft umso mehr auf die Menschen zu, die mit einer psychischen Belastung leben. Halten Sie also zumindest die Minimalstandards ein. Essen Sie regelmäßig und gesund (keine Fertignahrung, kein Fast Food), schlafen Sie regelmäßig und ausreichend und bewegen Sie sich regelmäßig. Vermeiden Sie Stress und Überlastungen im Job und im Privatleben. Lernen Sie, auch einmal Nein zu sagen. Sie helfen niemandem damit, wenn Sie selbst krank werden!

Tipp 2: Realistische Ziele setzen

Etwas nicht zu schaffen, das man sich vorgenommen hat, macht schlechte Laune und verdirbt die Stimmung. Oftmals liegt es aber gar nicht daran, dass man sich zu wenig angestrengt hat. Man nimmt sich einfach zu viel vor oder setzt sich Ziele, die man realistisch betrachtet, gar nicht erreichen kann.

Insbesondere ehrgeizige Menschen, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen, sind von diesem Problem betroffen. Manchmal steckt dahinter der Gedanke, dass man sich besonders viel vornehmen müsse, um wenigstens einen Teil davon auch zu schaffen. Doch diese Strategie hat nur eine Wirkung. Man fühlt sich hinterher immer schlecht, ganz gleich, ob man 50, 70 oder 80 % des Vorgenommenen geschafft hat. Besser und zufriedenstellender ist es, sich kleinere Ziele zu setzen, die man auch tatsächlich bewältigen kann. Denn jedes erreichte Ziel ist gut für die Stimmung und motiviert dazu, weitere Ziele in Angriff zu nehmen.

Tipp 3: Fehler machen ist nicht nur OK, sondern notwendig!

Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie sich selbst beschimpft haben, wenn Sie einen Fehler gemacht haben? Oder haben Sie sich geschämt oder sich schuldig gefühlt? Wenn ja, geht es Ihnen so, wie vielen anderen Menschen auch. Kaum macht man einen Fehler, beginnt eine Spirale von Selbstvorwürfen. „Das war ja wieder mal wirklich dämlich von mir“, „Ich bin auch wirklich zu dumm“ und so weiter.

Machen Sie Schluss damit. Denn solche negativen Gedanken ziehen Sie nicht nur runter, sondern sind auch völlig falsch. Nur wer Fehler macht und aus ihnen lernt, entwickelt sich weiter. Keine Fehler machen nur die, die gar nichts tun. Stehen Sie zu Ihren Fehlern und lachen Sie gemeinsam mit anderen darüber, wenn etwas peinlich war. Na und? Sie haben das Recht, so viele Fehler zu machen, wie Sie wollen. Da ist nichts Schlimmes dabei. Sie können dadurch nur gewinnen!

Tipp 4: Den Blickwinkel verändern

Die meisten von uns werden von der Kindheit an darauf trainiert, überall Fehler zu entdecken. Unsere Aufmerksamkeit wird von allen möglichen Unzulänglichkeiten magisch angezogen. Und so kommt es oft vor, dass wir unzufrieden sind und uns ärgern, obwohl es uns doch eigentlich sehr gut geht.

Manchmal hilft es schon, sich das klar zu machen und die Aufmerksamkeit ganz gezielt auf die Dinge zu lenken, die schön sind und mit denen wir zufrieden sein können. Wenn das nicht funktioniert, hilft es oft, unsere eigene Welt einmal aus der Perspektive eines anderen Menschen zu betrachten. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt müssen Hunger leiden, befinden sich auf der Flucht oder haben kein Dach über dem Kopf. Was glauben Sie, wie unser Leben auf diese Menschen wirken würde, wenn sie es sehen könnten? Im Hinblick auf diese Menschen leben wir doch im sprichwörtlichen Paradies. Man muss sich nur ab und zu selbst daran erinnern, um mit dem eigenen Leben zufriedener zu sein.

Tipp 5: Nicht ärgern (lassen)

Es gibt zwei verschiedene Arten von Dingen, über die man sich ärgern kann. Das eine sind Dinge, die man ohnehin nicht ändern kann und das andere sind solche, die man beeinflussen kann. Alles, was zur ersten Gruppe gehört, sollte man sofort vergessen. Sich über Dinge zu ärgern, die man nicht ändern kann, macht überhaupt keinen Sinn. Man schadet sich damit nur selbst. Man sollte solche Dinge entweder einfach akzeptieren, oder versuchen, etwas Positives in ihnen zu entdecken.

Bei den Dingen, die man selbst beeinflussen kann, gibt es solche, für die sich der Ärger lohnt (vielleicht 10 %) und solche, die ohnehin in ein paar Tagen oder Monaten vergessen sind. Die Letzteren sollte man nicht weiter verfolgen. Sie sind den Ärger nicht wert. Überhaupt schadet das Ärgern immer nur demjenigen, der sich ärgert. Den meisten Menschen, über die wir uns ärgern, ist das ohnehin völlig gleichgültig. Versuchen Sie, das Ärgern beim nächsten Mal einfach zu unterlassen. Sie werden sehen, das funktioniert. Am Anfang vielleicht noch nicht so gut, aber mit jedem Mal besser!

Tipp 6: Angenehme Dinge planen (und auch durchführen!)

Für das seelische Wohlbefinden ist es äußerst wichtig, Dinge zu tun, die Freude machen. Deshalb sollten angenehme Tätigkeiten einen festen Platz in Ihrem Terminkalender haben. Nur zu leicht passiert es, dass die angenehmen Dinge schnell wieder zugunsten der scheinbar wichtigeren Aktivitäten vernachlässigt werden. Nach einer überstandenen Depression ist es auch nicht immer möglich, einfach da weiterzumachen, wo man vor der depressiven Episode aufgehört hat. Manchmal muss man den Spaß an angenehmen Tätigkeiten auch erst Schritt für Schritt wieder erlernen. Dazu ist es hilfreich, zu überlegen, was man früher gerne getan hat. Man kann auch den Partner oder Angehörige danach fragen. Dann sollten die angenehmen Tätigkeiten auch regelmäßig durchgeführt werden. Sie nur zu planen oder nur über sie nachzudenken, reicht nicht. Man muss es auch tun. Die Freude daran kommt dann automatisch nach einiger Zeit zurück.

 

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