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Botox gegen Depressionen?

Es gibt Hinweise darauf, dass Botox nicht nur gegen Falten, sondern in manchen Fällen auch gegen Depressionen wirkt.

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Schon seit Langem weiß man, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Stimmung und der Mimik eines Menschen gibt. Schon Kinder wissen, dass sich die psychische Befindlichkeit eines Menschen an seinem Gesichtsausdruck ablesen lässt. Meist ist auf einen Blick zu erkennen, ob jemand fröhlich, traurig oder gar verzweifelt ist. Verantwortlich für den Ausdruck der eigenen Stimmung im Gesichtsausdruck sind verschiedene Muskelgruppen,  unter anderem der sogenannte Corrugator-Muskel, der zum Stirnrunzeln benötigt wird.

Ist ein Mensch sehr oft besorgt, ängstlich oder traurig, führt die häufige Anspannung bestimmter Muskelgruppen im Bereich der Augenbrauen und der Stirn zu einer dauerhaften Veränderung der Mimik. Es entstehen Falten, die den Menschen dauerhaft angespannt oder verärgert aussehen lassen, selbst dann, wenn er eigentlich entspannt und zufrieden ist. Typisch sind zum Beispiel sogenannte Glabellafalten, die im Volksmund auch als "Zornesfalten" bekannt sind. Viele Menschen empfinden solche Falten als störend und lassen sich das Nervengift Botulinumtoxin oder kurz Botox in die entsprechenden Muskelgruppen spritzen. Die Muskulatur wird dadurch gelähmt und die Falten verschwinden. Der Effekt hält bis zu einigen Monaten an, dann muss erneut gespritzt werden.

Schon früh bemerkten Forscher, dass eine Botoxbehandlung bei einigen Patienten zu einer spürbaren Stimmungsverbesserung führte. Doch erst systematische Studien konnten belegen, dass dieser Effekt offenbar kein Zufall, sondern eine direkte Folge der Behandlung war. So konnten Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in der Schweiz den Effekt an einer Gruppe von 30 depressiven Patienten eindeutig belegen. Die Patienten erhielten über einen Zeitraum von 16 Wochen Botoxinjektionen im Stirnbereich. Eine Kontrollgruppe erhielt nur ein Placebo (= unwirksames Scheinmedikament), das statt des Botulinumtoxin gespritzt wurde. Bereits nach zwei Wochen berichteten viele Patienten der Botox-Gruppe, dass sich ihre depressiven Symptome deutlich gebessert hätten. Gegen Ende der Studie waren die depressiven Symptome bei über 60 % der Botox-Gruppe nur noch halb so stark wie zu Beginn der Behandlung.

Warum wirkt Botox gegen Depressionen?

Die aktuelle Forschungslage lässt noch keine endgültige Antwort auf diese Frage zu. Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze, wobei viele Forscher davon ausgehen, dass es einen Feedback-Effekt zwischen der Mimik und der Verarbeitung negativer Gedanken und Gefühle im Gehirn gibt. Ähnlich, wie auch bewusst herbeigeführtes Lächeln die eigene Stimmung verbessern kann, wirkt auch eine entspannte Stirnmuskulatur positiv auf die Stimmung. Negatives wird weniger intensiv wahrgenommen, wenn dem Körper die dazugehörige Mimik fehlt.
Ähnliche Feedback-Effekte kennt man auch in Bezug auf die Körperhaltung. So haben Studien gezeigt, dass sich die eigene Stimmung messbar verbessert, wenn man ein aufrechte Körperhaltung einnimmt. Im Gegensatz dazu führt eine gesicht schön frau nase augen pb klzusammengesunkene Haltung zu einer Verschlechterung der Stimmung oder sorgt dafür, dass negative Stimmungen länger anhalten.
Diese Zusammenhänge sind nicht neu. Bereits im Jahr 1981 erschien im British Journal of Psychiatry ein Artikel, in dem vorgeschlagen wurde, die Aktivität des Corrugator-Muskels als Indikator für den Erfolg bei der Behandlung von Depressionen zu messen. Verschiedene internationale Studien konnten seitdem zeigen, dass dieser Muskel bei depressiven Menschen besonders aktiv und besonders oft angespannt ist.
Ein weiterer Aspekt könnte die Tatsache sein, dass Menschen bei denen zum Beispiel die Glabellafalten besonders stark ausgeprägt sind, auf andere unfreundlich und abweisend wirken können. Fällt dieser Effekt weg, könnten sich die depressiven Menschen möglicherweise auch deshalb besser fühlen, weil andere positiver auf sie reagieren. Das Gleiche gilt noch verstärkt für die Selbstwahrnehmung. Wer beim Blick in den Spiegel einen traurigen oder zornigen Gesichtsausdruck sieht, fühlt sich mit Sicherheit schlechter als jemand, dem ein Lächeln entgegenstrahlt.

Wirkungen werden weiter untersucht

Noch ist es nicht so weit, dass das Spritzen von Botox als Behandlungsverfahren bei Depressionen zugelassen ist. Die bisherigen Studien sind aufgrund der geringen Zahl untersuchter Patienten nicht ausreichend, um einen solchen Schritt zu rechtfertigen. Gleichzeitig hat die Pharmaindustrie ein erhebliches Interesse daran, dass Botulinumtoxin zur Behandlung weiterer Erkrankungen zugelassen wird. Schon aus diesem Grund sind Meldungen wie "Botox hilft bei Depressionen!" immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Für die Industrie geht es hierbei um sehr viel Geld. Für die Krankenversicherer wiederum wäre eine Zulassung zur Behandlung von Depressionen erfreulich. Denn auch, wenn der Markt für Botox riesengroß ist, ist die Behandlung des einzelnen Patienten vergleichsweise kostengünstig. Der Preis für eine Behandlung, deren Wirkung etwa 4 Monate anhält, liegt bei etwas über 100 Euro.
Bei all dem darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass die Behandlung mit Botulinumtoxin nicht risikolos ist. Eine Behandlung sollte grundsätzlich immer von einem erfahrenen Arzt in einer Arztpraxis vorgenommen werden.

 

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